Sonntag, 23. Mai 2010

Prädikatsexamen

Mit großem Vergnügen habe ich die Beitrag von AnotherOne, den Kollegen Vetter, Flauaus,Nebgen , Siebers und der Kollegin Braun gelesen. Ich bin ja nun seit 17 Jahren Anwalt. Aber irgendeinen Zusammenhang zwischen Prädikatsexamen und der Qualität der Urteile habe ich in dieser Zeit empirisch (leider) nicht feststellen können.

Mir fällt dazu immer wieder die eine über die Jahre "liebgewonnene" Richterin beim Amtsgericht Berlin-Schöneberg ein, über die ich am 19.Feburar 2010 an anderer Stelle einmal schrieb:


"Unfassbar! Gerade Termin in einer Mietsache. Auf der Gegenseite ein
alter Referendarskollege. Wahnsinnig gut vorbereitete Richterin
(Vorsicht:Ironie!). Dicke Akte, aber mit klar zu beantwortenden und auch längst vom BGH geklärten Rechtsfragen. Wir fassen die nochmal zusammen. Gericht: Ja. weiß nicht
- wollen Sie sich nicht vergleichen? Kommentar vom Kollegen: "Ich bin fassungslos und der Kollege auch! Ich habe meine Arbeit erledigt, der Kollege hat seine Arbeit getan. Und nun sind sie mit ihrer Arbeit dran." Dicke Akten machen niemanden Vergnügen, aber einen Vergleich, nur weil das Gericht nicht ran will????"

Also eigentlich müsste die Richterin auch ein Prädikatsexamen haben. Das ist aber leider wirklich keine Garantie dafür, dass man seinen Richterjob gut macht.

Kommentare:

  1. Gerade wenn es sich um "klar zu beantwortende und auch längst vom BGH geklärte Rechtsfragen" handelte, fragt man sich doch sehr, warum zwei so ausgefuchste Anwälte wie Sie und ihr Referendarskollege wirklich einer gerichtlichen Entscheidung bedurften, um zu einem Ergebnis zu kommen ...

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  2. Relativ einfach zu erklären: Wie so oft, sind es weniger die Rechts- als die Tatsachenfragen, die streitig sind.

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  3. Gerade wenn es sich um streitige Tatsachenfragen handelte, fragt man sich doch sehr, warum zwei so ausgefuchste Anwälte wie Sie und ihr Referendarskollege wirklich einer gerichtlichen Entscheidung bedurften, statt in dem Wissen um die meist unbefriedigenden Ergebnisse einer förmlichen Beweisaufnahme zu einem vernünftigen Vergleich zu gelangen.

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  4. In der Tat ein herausragendes Beispiel für die Minderwertigkeit von Prädikatsjuristen, diese Richterin aus Berlin-Schöneberg.

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  5. @Carlo: Also manchmal kann eine Sache entweder so oder anders entschieden werden. Da gibt es nur Top oder Flop. Und bei einer solchen Sachlage wäre es mit Sicherheit nicht angemessen, den Mandanten noch mit einer zusätzlichen Vergleichsgebühr zu belasten.

    @ElGraf: Wer als Jurist ein Prädikatsexamen geschafft hat, darf zu Recht stolz sein. Schaffen nicht viele und es geschafft zu haben, ist eine tolle Leistung. Die Diskussion die von den anderen Autoren geführt wurde ging nur dahin, dass allein die Note kein Maßstab dafür ist, dass man in einem bestimmten Beruf wirklich dann auch automatisch die besseren Leistungen bringt.

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  6. Von "automatisch" kann in der Tat überhaupt keine Rede sein. Das gewählte Beispiel will halt mir (und offenbar auch anderen) nicht so recht einleuchten, wenn es als Beleg für die - offenkundige - Tatsache herangezogen werden soll, dass es - oh Wunder - auch inkompetente/dumme/faule Richter - in vielen Fällen sogar mit Prädikatsexamen - gibt.

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