Donnerstag, 15. April 2010

Maklerhaftung bei unrealistischen Preisvorstellungen

Herr F. möchte sein Grundstück verkaufen. Dazu schaltet er den Makler M ein. Dieser meint, dass mit einem Einfamilienhaus bebaute Grundstück sei zu einem Preis von 440.000,00 EUR zu verkaufen. Nach mehreren Monaten vergeblicher Verkaufsbemühungen ist Herr F frustriert und schaltet einen neuen Makler ein. Diesem gelingt es, das  Hausgrundstück zu einem Kaufpreis von 250.000,00 EUR zu verkaufen. Da Herr F dem zweiten Makler eine Verkäufermaklergebühr zu zahlen hat, überlegt er sich, ob er den Makler M auf
Schadensersatz in Anspruch nehmen kann. Grundsätzlich ja, denn: Wird ein Makler mit dem Verkauf eines Grundstücks beauftragt,muss er regelmäßig zuerst den realistischen Kaufpreis ermitteln. Nennt er völlig unrealistische Preisvorstellung und entsteht dem Kunden dadurch Schaden z.B. vermeidbare Zinsen, Verkäufermaklergebühr für einen später eingeschalteten zweiten Makler, so ist der Makler grundsätzlich schadensersatzverpflichtet. Anders verhält es sich nur, wenn der unrealistische Preis ausdrücklich vom Kunden vorgegeben wurde, obwohl ihm der Makler eine realistische Schätzung des Verkehrswertes mitgeteilt hat. Dann, so der Bundesgerichtshof (Urteil vom 16.12.1999, Aktenzeichen III ZR 295/98), handele es sich nicht mehr um eine Pflichtverletzung.
Wichtig ist also:  Belehrt der Makler seinen Kunden über den tatsächlich erzielbaren Preis und fordert auf Drängen des Kunden einen überhöhten Preis, so macht er sich nicht schadensersatzpflichtig. Die Beweislast für die Entlastung von seiner Pflichtverletzung trägt allerdings der Makler. Ihm ist anzuraten, die erfolgte korrekte Beratung und den abweichenden Kundenwunsch  zum Zwecke späterer Beweisführung auch zu dokumentieren. Andernfalls trägt er ein hohes Haftungsrisiko.

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