Freitag, 29. Juli 2011

Die Madonna des Treppenhauses

Als Student lebte ich eine Zeit in Münster. Auch über die Stadtgrenzen hinaus ist die Gegend durchaus als hochkatholisch bekannt. Kennern der Materie dürfte auch die besondere Neigung zur Marienverehrung von uns Katholiken  bekannt sein. 

Besonders bekennerfreudig zeigte sich ein münsteraner Vermieter, als er im Treppenhaus eine Madonna-Figur aufstellte. Dies führte bei einem evangelischen Mieter zu einem Schockerlebnis! Und so minderte er die Miete mit der Begründung, er fühle sich durch eine Madonna-Figur im Treppenhaus gestört. Daraufhin verklagte der Vermieter den Mieter auf Zahlung der einbehaltenen Miete vor dem Amtsgericht Münster. Wie das entschied, dürfte im katholischen Münster kaum überraschen: Das Gericht gab dem Vermieter Recht. Dem Mieter stehe ein Recht zur Mietminderung nicht zu. Schließlich beeinträchtige eine Madonna im Hausflur nicht die Gebrauchstauglichkeit der Wohnung. Und im Übrigen sei auch nach evangelischer Auffassung Maria die Mutter Jesu, so dass die Aufstellung der Figur für einen Protestanten zu keinem besonderen Schock führen dürfte Ein Recht zur Mietminderung stünde dem Beklagten nicht zu. Subjektive Überempfindlichkeiten seien bei der Bewertung von Minderungsrechten aber nicht zu berücksichtigen (Amtsgericht Münster, Urteil vom 22.07.20033 C 2122/03 -)

Kommentare:

  1. Da kann man nur noch Teufelsmasken an die Wohnungstür hängen und Schwefel verbrennen....

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  2. Was aber voraussichtlich zu Schockraktionen bei dem fraglichen Vermieter führen würde! ;-)

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