Mittwoch, 1. Juni 2011

Keine zwingende Haftung der Eltern bei Kinderfahrradunfall

Wer Kinder im Kindergartenalter hat, erlebt diese Situation fast täglich: Das Kind soll lernen, im Straßenverkehr selbständig zu agieren. Ein Vater lässt das Kind ein wenig mit dem Fahrrad vorfahren und folgt in einem geringen Abstand. Vor dem Kindegarten steigt das Kind ab. Im Getümmel vor dem Kindergarten fällt das Fahrrad unglücklicherweise zu Boden. Dabei zerkratzt die Stange mit dem Sichtfähnchen die Türen einer Limousine. Die empörte Autofahrerin will Schadensersatz sehen: 1.350,00 € zur Beseitigung der Schrammen an dem Auto! Der Vater solle den Schaden ersetzen, weil er das Kind allein habe vorfahren lassen. Damit habe er seine Aufsichtspflicht verletzt.

Die Sache landete vor dem Amtsgericht München. Dieses entschied für den Vater (AG München, Urteil vom 19.11.2010 - 122 C 8128/10. )Natürlich müssten nicht-schulpflichtige Kinder im Straßenverkehr beaufsichtigt werden. Aber das Kind sei bereits zwei Jahre mit dem Fahrad zum Kindergarten gefahren, ohne dass es zu Zwischenfällen gekommen sei. Es stelle daher keine Pflichtverletzung dar, dass er das Kind alleine habe vorfahren lassen.  Das Vorausfahrenlassen stelle keine Aufsichtspflichtverletzung dar. Es seit Teil der Erziehungspflichten der Eltern, Kinder zu selbständigen und veranwortungbewussten Verkehrsteilnehmern zu erziehen. Den Kindern müssten gewisse Freiräume gegeben werden, um Gefahrensituationen erkennen und meistern zu können. Es sei von Eltern nicht zu verlangen "permanent ... die Lenkstange des Kinderrades" zuhalten.


www.ruge-mydlak.eu

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen