Freitag, 5. August 2011

Schwer zur ertragende Gerechtigkeit ...

Manchmal  erscheint das was Recht ist unerträglich. Da bekommt der Mörder eines Kindes eine Entschädigung zugesprochen. Die moralische Empörung eines Teils der Bevölkerung findet scheinbar seinen Ausdrück in den Lettern einer großen deutschen Boulevardzeitung ("keine Rechte für Kinderschänder"). Und fast wäre man geneigt, in den Chor einzustimmen, wenn man nicht etwas genauer hinsehen würde: Markus Gäfken verbüßt für seine ungeheurliche Tat eine lange Gefängnisstrafe. Selbstredend erhält er die Entschädigung nicht für seine Tat. Entschädigung erhält er für ein Fehlverhalten anderer:Der damalige Polizeivizepräsident und der ermittelnde Beamte haben einen Fehler gemacht. Sie wussten genau, dass sie keine Folger androhen durften. Folter und die Androhung von Folter sind in Deutschland verboten. Ohne wenn und aber und auch, wenn die Androhung einem "guten Zweck" zu dienen scheint. Giggi Deppe weist in ihrem Kommentar zu Recht darauf hin:"Diejenigen, die anderen Schmerzen zufügen, sagen immer, dass sie einen guten Grund dafür haben. Wer diese Tür aufmacht weiß, dass es dann kein Halten mehr gibt."  Und man sage nicht:  Es trifft ja keinen Falschen. Der Kollege Thomas Wings empfiielt in seinem Blog, derjenige, der Folter oder ähnliches für Kindsmörder für für gerechtfertigt hält, möge  "sich bitte vor Augen führen, wie es ist, wenn er selbst unschuldig aus einem dummen Zufall heraus für den mutmaßlichen Täter einer Kindesmißhandlung gehalten wird und dann von der Polizei hart rangenommen wird". Ist das wirklich eine völlig undenkbare Situation? Und vor allem - und darauf weist der Kollege Udo Vetter in seinem Blog hin: " ... es gibt keine Menschen zweiter Klasse. Grundrechte können nicht relativiert oder gar aberkannt werden." Und zu Recht haben unsere Verfassungsväter die Menschwürde als höchstes Gut in unsere Verfassung geschrieben - ungeteilt für Jedermann und auch, wenn uns die Konsequenzen manchmal unerträglich erscheinen.

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Kommentare:

  1. Auch wenn ich dem prinzipiell zustimme,

    Gibt es Schmerzensgeld, wenn ein Mensch dem anderen Schläge androht ?

    Oder gibt es bei Mobbing Schmerzensgeld ?

    In wenigen Ausnahmefällen ja, in aller Regel aber nein.

    Insofern muss man sich fragen, was unterscheidet Gäfgen von uns "normalen" Menschen ?

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  2. Dass es in vielen Fällen keinen Schmerzensgeldanspruch gibt, ist ja häufig eine Folge der Beweislage. Vorliegend war es für die Richter wohl recht einfach: die Beteiligen haben zu keiner Zeit den Sachverhalt abgestritten. Es ist also nichts, was Gäfken von uns "normalen" Menschen unterscheidet. Der Unterschied liegt nur in der Beweislage.

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