Freitag, 3. September 2010

Die Birne, der Amtsrichter und der Schlaf

Juristen in eigener Sache sind ja manchmal ein etwas schwieriges Völkchen. Amtsrichter die ja per definitionem ohnehin immer recht haben, können machmal besonders schwierig sein. Treffen diese noch auf einen Nachbarn, der Beamter beim BKA ist, wird es knifflig.



Unser BKA-Beamter brachte neueste Erkenntnisse der Kriminalitätsbekämpfung mit nach Hause und baute die dazu notwendigen technischen Hilfsmittel in sein Einfamilienhaus ein: eine 40-Watt Glühbirne! Diese brannte die ganze Nacht über. Ob sie wirklich Einbrecher abschreckte, ist nicht bekannt. Sie führte allerdings zu einer Dienstunfähigkeit seines Nachbarn, eines Amtsrichters. Dieser konnte nämlich des Nachts seinen Schlaf nicht fortsetzen, weil die Glühbirne genau in sein Schlafzimmerfenster leuchtete. Den naheliegenden Einwand, man könne schließlich den Rolladen herunterlassen, konterte unser Richter am Amtsgericht mit dem Hinweis, er brauche Frischluft und mit heruntergelassenem Rolladen sei die genügende Frischluftzufuhr nicht gesichert. Die Kollegen beim Amtsgericht sahen das anders: Das Amtsgericht Wiesbaden wies die Klage mit der Begründung ab, im innerstädtischen Bereich seien Lichtquellen durchaus üblich. Außerdem könne man sich durch Rolläden u.Ä. gegen Lichteinfall schützen. Landgerichte sind ja immer ein Quell der Erleuchtung: Das Landgericht Wiesbaden als Berufungsgericht wollte es genau wissen. Also: Ortstermin beim Kollegen zur passenden Zeit! Licht an,Rollo runter,Rolle rauf, klares Ergebnis: die 40-Watt Glühbirne nervt und muss weg! Die Lampe zeige eine solche Blendwerkung, dass für einen Durchschnittsbürger an einen erholsamen Schlaf nicht zu denken sei. Zudem würde noch nicht einmal die Kollegen des BKA-Beamten von der  Kriminalpolizei zu einer Beleuchtung die ganze Nacht hindurch raten.

Quelle: http://www.kanzlei-prof-schweizer.de/bibliothek/urteile/index.html?id=11568

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Kommentare:

  1. ich glaube es nicht. eine 40 Watt-Birne? Haben wir denn nicht anderes zu tun, als solche wichtigen Sachen zu entscheiden. Rolladen runter und dahinter das Fenster auf. das müsste doch auch gehen.
    Allerdings: Wie hat gerade bei mir im Blog ein Kommentator kommnetiert:
    "Unter Anwälten, Notaren, Richtern, Staatsanwälten und Beamten ist der Anteil der leicht Durchgeknallten am Rande der Dienstunfähigkeit nicht geringer als im Rest der Bevölkerung. Da sollte man gelassen mit umgehen und bei den zuständigen Stellen eine Überprüfung der Amtsfähigkeit anregen."
    Wenn ich das hier aber lese, habe ich Probleme mit der Gelassenheit. Aber wahrscheinlich waren sich RiAG und BKA "nicht grün". 40 Watt. das reicht ja noch nicht mal zum Lesen, wenn ich davor sitze :-9

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  2. Über den Streit hat ja schon vor vielen Jahren der SPIEGEL berichtet (einfach googlen).
    Wer sich wegen einer 40-Watt-Birne geblendet fühlt, dienstunfähig wird und sich über mehrere Instanzen klagt, dessen Problem liegt nicht in den empfindlichen Augen, sondern etwa 7 Zentimer weiter hinten. Demnächst wird wahrscheinlich noch der Mann im Mond verklagt, weil er einmal im Monat voll die Lampe anschaltet...

    Kaum vorstellbar, daß das Landgericht eine derartige Sachverhaltsaufklärung betrieben hätte, wenn der Kläger nicht ein Richterkollege gewesen wäre. Ortsbesichtigung im Berufungsverfahren nach vorheriger Klageabweisung? Einen solchen Luxus habe ich in den vielen Jahren meiner anwaltlichen Tätigkeit noch nie erlebt. Versteht man das unter Richterprivileg?

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