Donnerstag, 30. September 2010

"Sie küßten und sie schlugen ihn"

An diesen Titel des alten Filmklassiker von Truffaut musste ich denken, als ich auf ein Urteil des Amtsgerichts Warendorf stieß. Der nächste Gedanke galt dem Udo Jürgens Schlager: "Ein ehrenwertes Haus". Komische Assoziation denken Sie?

Also: Ein junges Pärchen zieht in die Erdgeschosswohnung eines Warendorfer Mehrfamilienhauses (ich komme aus der Ecke, ich weiss was das bedeutet ;-) ). Die beiden brachten viel Zeit mit. Statt den ganzen Tag Unterschichtenfernsehen zu schauen, liebten sie sich den ganzen Tag über. Durchaus lautstark, denn die Mitmieter beschwerten sich über lautes Sexgestöhn und Yippi-Rufen untermalt von anheizender Musik. Und: wenn sie sich gerade nicht lautstark liebten, stritten sie mindestens genauso laut miteinander. Als Abmahnungen der Mitmieter nicht halfen, zogen diese vor das Amtsgericht Warendorf. Der lebenserfahrene Richter befand: Sex nur in Zimmerlautstärke! Zwar folge aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht, dass jeder seine Sexualität in der von ihm gewünschten Form ausüben dürfe. Jedoch nicht grenzenlos! In einem Mehrfamilienhaus müssten die Bewohner jegliche Geräuschentwicklung auf Zimmerlautstärke beschränken. Und zwar wirklich jegliche Geräuschentwicklung! Der beim Liebespiel entsstehende "Lärm" könne von einem erwachsenen Menschen durchaus so gesteuert werden, dass er nicht in die Nachbarwohnung dringe.

Ich stelle mir jetzt lieber vor dem inneren Auge nicht vor, wie das mit der "Steuerung" funktionieren könnte und buche das jetzt mal unter "allgemeiner Lebenserfahrung" eines deutschen Richters.

Quelle: www.kostenlose-urteile.de

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