Dienstag, 28. September 2010

Schützenfest - Eine Frage der Ehre

Gebürtig stamme ich aus einer Weltgegend, in der das wichtigste gesellschaftliche Ereignis das jährliche Schützenfest ist. Einmal im Jahr ziehen die Männer des Ortes mit Uniform, Holzgewehr und Fahnen durch den Ort und feiern drei Tage lang. Am dritten Tag folgt der Höhepunkt: Das Königsschießen!

Häufig dient ein aus Holz gefertigter Adler als Ziel. Wer diesen "abschießt", der ist der Schützenkönig. Durchaus eine kostspielige Ehre, doch: eine Ehre! Und wenn es um die Ehre geht, geht der Spaß häufig flöten und man trifft sich vor Gericht wieder: Wie "Der Westen" berichtet, durfte sich das Landgericht Düsseldorf mit der Frage beschäftigen, ob der Urdenbacher Schützenkönig 2009 durch Manipulation zu seiner Würde gelangte und ob der Rauswurf seines Vorgängers aus dem Schützenverein Gültigkeit habe. Letzerer hatte nämlich den Eindruck, sein Nachfolger habe nur dank einer Manipulation besser geschossen als sein Konkurrent. Deshalb gab es Streit im Verein. Ein Misstrauensantrag gegen den Vorstand wurde erst gar nicht auf die Tagesordnung gesetzt und der "Nörgler" kurzerhand aus dem Verein geworfen. Das geht so nicht, befand das Landgericht. Zwar sei es korrekt, dass der Misstrauensantrag aus formalen Gründen nicht zur Abstimmung gelangt sei. Der Rauswurf sei aber unwirksam, da es einer vorherigen Ermahnung bedurft hätte. Der Ex-König gab sich generös. "Der Westen" zitiert ihn mit den Worten: „Ich habe für die Ehrlichkeit im Schützenwesen gekämpft, nicht für mich."

Na denn: Prost!

Kommentare:

  1. Ich empfehle "Bauernjagd-ein Münsterlandkrimi von Stefan Holtkötter" zur Lektüre. Da ist auf den ersten paar Seiten genau beschrieben, wie der Schützenkönig ausgemauschelt wird.

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  2. Stefan Holtkötter ist ohnehin eine Empfehlung. Er hatte vor einiger Zeit bei uns im "Westwind e.V- Wir Nordrhein-Westfalen in Berlin" eine Lesung und ich fühlte mich dabei immer wieder an die guten alten Zeiten erinnert.;-)

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