Dienstag, 3. August 2010

Der Reisende, die Bahn und die Notdurft

Manchmal zahlt sich Geduld und stilles Leiden dann doch noch aus. Ich hatte am Sonntag gepostet, dass Imker sehr geduldige Menschen sein müssen (s. Beitrag vom Sonntag). Reisende mit der Deutschen Bahn müssen dies häufig auch sein. Nicht nur hinsichtlich der Pünktlichkeit oder wegen der Klimaanlagen - nein, auch hinsichtlich der sonstigen Bedürfnisse, wie die nachfolgende Entscheidung zeigt:

ICE 1653 von Frankfurt/Main nach Dresden: Ein Reisender tritt nervös von einem Fuß auf den anderen. Er steht vor einer verschlossenen Toilettentür. Geschlagene zwei Stunden war er schon mit verkniffenen Gesicht durch den überfüllten ICE gelaufen und hatte kein betriebsbereites WC gefunden. Die Bahn hatte es schicht versäumt, die zugehörigen Wasserbehälter ordnungsgemäß zu befüllen. Jetzt an der letzten Tür forderte er die Zugbegleiterin ultimativ auf, jene letzte Tür zu öffen. Diese erbarmte sich seiner und gewährte ihm Eintritt. So fand er die ersehnte Erleichterung, doch keinesfalls Genugtuung! So klagte er gegen die Bahn auf Schmerzensgeld. Der Richter am Amtsgericht Frankfurt/Main hatte großes Verständnis für die "Heftigkeit und Dauer der Unannehmlichkeiten des Klägers" und gewährte ihm ein Schmerzensgeld von 400,00 EUR!

(AG Frankfurt/Main, Az.: 32 C 261/01).

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