Samstag, 14. August 2010

Die Taube, die Cessna und die Folgen

Wenn es eine Taube mit einer Cessna aufnehmen will, hat die Taube schnell verloren. Verloren hat dann auch der Halter der Taube und das gleich doppelt: zum einen die Taube, zum anderen viel Geld.

So verurteilte das OLG Hamm den Halter einer Brieftaube zu einem Schadensersatz von 10.500,00 EUR. Gemeinsam mit anderen Tauben genoss die Taube die vermeintliche Freiheit der Lüfte. Leider machte ihr eine Cessna beim Landeanflug diese Freiheit streitig. Das letzte was die Taube in ihrem Leben sah, war der Lufteinlass einer Turbine. Auch für den Lufteinlass der Turbine schlug das letzte Stündchen. Glück im Unglück: die beiden waren die einzigen Opfer dieser Begegnung. Der Halter der Cessna nahm darauf hin den Taubenhalter auf Zahlung der Kosten für das Ersatzteil in Höhe von 10.500,00 EUR in Anspruch. Zur Recht, wie das OLG Hamm befand: Das Gericht verurteilte den Taubenhalter unter Hinweis auf die Tierhalterhaftung nach § 833 BGB zu der Beteiligung an den Kosten für das Ersatzteil. Hierbei komme es weniger auf ein Verschulden, als auf das Verwirklichen der spezifischen Tiergefahr an. Da die Taube in diesem Fall ein Verkehrshindernis dargestellt habe, trage der Halter der Taube hier eine 50 %ige Mitschuld. Die andere Hälfte des Schadens müsse der Halter der Cessna tragen. Nach § 33 des Luftverkehrsgesetz habe sich in dem Unfall die Betriebsgefahr seines Flugzeugs verwirklicht. Den Einwand des Tierhalters, sein Täubchen sei doch so klein und das Flugzeug so groß gewesen, ließ das Gericht nicht gelten. Auch die im Vergleich zum bestehende geringe Größe und Geschwindigkeit verringere keinesfalls die Kollisions- und Beschädigungsgefahr. Im Gegenteil: gerade durch die geringe Größe könne eine Taube in eine Turbine gelangen und diese beschädigen. Es bestehe außerdem die Gefahr des Absturzes der Maschine und dadurch auch der Tod der Insassen.



OLG Hamm, Urteil vom 11.02.2004 - Aktenzeichen: 13 U 194/03

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen