Mittwoch, 25. August 2010

Jung, dynamisch, erfolg ...

Klar suchen alle nach jungen, dynamischen Mitarbeitern. Bloß sagen oder erst recht schreiben sollte man das nicht, erst recht nicht in einer Stellenausschreibung. Die Suche nach einem/einer „junge(n) engagierte(n) Volljuristin/Volljuristen“ für die Rechtsabteilung kostete einem juristischen Fachverlag jedenfalls ein Monatsgehalt.




Der Kläger ist sechs Jahre älter als ich und damit natürlich noch jung. Daher bewarb er sich auf diese Stelle und erhielt eine Absage, ohne zu einem Gespräch eingeladen worden zu sein. Eingestellt wurde eine 32jährige Juristin. Das kostet aber ein Monatsgehalt, befand das Bundesarbeitsgericht (Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19. August 2010 - 8 AZR 530/09 -) und begründete das im wesentlichen wie folgt: "Die Stellenausschreibung verstößt gegen § 11 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG), der verbietet, dass eine Stelle unter Verstoß gegen das Benachteiligungsverbot des § 7 AGG ausgeschrieben wird. Danach sind Stellen ua. „altersneutral“ auszuschreiben, wenn kein Rechtfertigungsgrund iSd. § 10 AGG für eine unterschiedliche Behandlung wegen des Alters vorliegt. Die unzulässige Stellenausschreibung stellt ein Indiz dafür dar, dass der Kläger wegen seines Alters nicht eingestellt worden ist." Da es dem Verlag nicht gelang darzulegen, dass kein Verstoß gegen das Benachteiligungsverbot vorgelegen hat, war wie geschehen zu entscheiden. Dem Bewerber wiederum war es nicht gelungen darzulegen und zu beweisen, dass er bei einer benachteiligungsfreien Ausschreibung eingestellt worden wäre, verblieb es bei einem Monatsgehalt, statt des ursprünglich geforderten Jahresgehaltes.

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