Mittwoch, 4. August 2010

Gefährliche Übererlösabrede

Bisweilen wird anstelle einer prozentual bemessenen Provision vereinbart, dass der Verkäufer dem Makler den Übererlös aus dem Verkauf eines Hauses als Courtage gezahlt wird. 

Derartige Vereinbarungen sind nach der herrschenden Rechtsprechung nicht generell unwirksam (vgl. OLG Düsseldorf, Urteil vom 05.02.1999- Aktenzeichen 7 U 132/98, in: NJW-RR 99, 114). In dem
vom OLG Düsseldorf zu entscheidenden Fall stritten der Verkäufer einer Eigentumswohnung und eine Maklerin um die Zahlung eines Übererlöses. Die Maklerin hatte dem Kunden den Verkauf der Wohnung zu einem Preis von 230.000,00 DM in Aussicht gestellt. Damit war jener einverstanden. Tatsächlich betrug der Verkehrswert allerdings mindestens 247.000,00 DM. Die Maklerin selbst hatte das Objekt für 250.000,00 DM angeboten, worauf sich mehr als 20 Interessenten meldeten. Letztlich verkauft wurde das Objekt wenige Tage nach Abschluss des Maklervertrages zu einem Preis von 247.000,00 DM. Der sich hintergangen fühlende Verkäufer war nicht bereit den Übererlös zu zahlen und bekam vom OLG Düsseldorf Recht: Bei einer Mehrerlösklausel treffe den Makler eine gesteigerte Sorgfaltspflicht in Bezug auf die zutreffende Unterrichtung über den erzielbaren Kaufpreis. Bei einer Übererlösabrede handele es sich für einen unerfahrenen Verkäufer um eine besonders gefährliche Vereinbarung. Zudem begründe diese die Gefahr einer Interessenkollision zwischen dem Wunsch des Verkäufers nach hohem Erlös und dem des Maklers nach hohem Gewinn. Da die Maklerin den unerfahrenn Verkäufer nicht darüber aufgeklärt hatte, dass seine Preisvorstellung deutlich unter dem Verkehrswert der Immobilie lag, versagt das Gericht ihr den Übererlös.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen